Offener Brief an den Stadtrat zur “Eiszeit”

Synthetisches Eis
Auch eine Alternative: Synthetisches Eis bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Quelle: Tprakash18 (wiki commons)- CC BY-SA 4.0,

WOR For Future warnt vor dem “Ende der Eiszeit”! 

Unser offener Brief zur Diskussion um die offene Eislauffläche “Eiszeit”. Berichtet wurde darüber auf in der SZ und im Isar-Loisachboten.


Liebe Rätinnen und Räte der Stadt Wolfratshausen,

Es ist wieder Dezember und plötzlich ist Leben an der Loisach, ein Treffpunkt, wo sonst keiner ist. Jeden Tag und jeden Abend kommen Menschen auf der “Eiszeit” zusammen, drehen ihre Kreise, Jugendliche verbringen Zeit miteinander und hören die Musik ihrer schönen Begegnungen. Kinder können sich an der frischen Luft austoben. Ist das nicht etwas Wunderbares? Ja, auch unsere Kinder waren dort! 

Aber Moment mal. Hieß es nicht, das Eislaufen sei nicht mit dem herrschenden Klimanotstand vereinbar? Wie können lokale Klimaschützer:innen ein Projekt gutheißen, das einen so hohen Stromverbrauch hat, dass es sich mit dem Jahresbedarf ganzer Familien messen kann? (An fünf warmen Tagen verbraucht die Eiszeit so viel wie ein 3-Personen-Haushalt in einem Jahr.) Und wie können sie ein Projekt gutheißen, das der Stadt außerdem jährlich 50.000 Euro Schulden hinterlässt?

Ist WOR For Future also dafür oder dagegen, dass die nächste Eiszeit stattfindet? 

Nein, so schade es ist, wir sind natürlich dagegen, dass ein Projekt mit einer so verheerenden Klimabilanz stattfindet. Es ist nicht mit dem in der Stadt geltenden Klimanotstand zu vereinbaren. Gleichzeitig aber finden wir es falsch, die “Eiszeit” jetzt einfach ersatzlos zu streichen. Ja, diese Eisanlage ist ein Energiefresser. Aber wir können doch jetzt nicht ausgerechnet denen etwas wegnehmen, die ohnehin schon ständig verzichten sollen und die unter allen unseren Krisen leiden müssen: den Kindern und Jugendlichen, die nicht mehr in die Schule durften, die sich nicht mehr treffen durften und deren Zukunft der Beginn einer geologischen Heißzeit ist, die im Tempo einer einzigen Menschengeneration über sie hereinzubrechen droht.

Wir wünschen uns ein Ende der Eiszeit – aber wir wünschen uns auch eine Alternative, eine bessere Alternative, einen echten Treffpunkt voller Leben für alle Generationen: Vermissen wir den nicht alle in Wolfratshausen? 

Unser Vorschlag wäre:  Die Stadt gründet eine AG, vielleicht in Kooperation z.B. mit der Schule der Phantasie, dem Jugendhaus La Vida und dem Inselhaus, mit dem Ziel eine attraktive Alternative zu erschaffen. Umfragen bei Kindern und Jugendlichen könnten gemacht werden, was gewünscht wird, was fehlt. Wir sind sicher, dass von dieser Seite viele Ideen kommen werden! Dies wäre eine tolle Gelegenheit,  Kinder und Jugendliche mit einzubeziehen und etwas zu schaffen, das Spaß macht und die Menschen begeistert, eine tolle Gelegenheit ein Zeichen zu setzen, dass unsere Kinder “der Gesellschaft” eben nicht egal sind, dass nicht immer nur blind über ihre Köpfe entschieden wird, dass sie geschätzt und gesehen werden.

Die Stadt ist dafür da, von allen gestaltet zu werden.

Wir wünschen uns, dass die Stadtverwaltung den Rahmen bietet, dass so etwas entstehen darf. Wir wünschen uns Teilhabe. 

Und wir wünschen uns vom Stadtrat und von der Bürgerschaft einen Perspektivenwechsel: Hier geht es nicht um Verzicht, hier geht es um Gewinn durch Bürgerbeteiligung. Klimaschutz heißt nicht, etwas aufzugeben und zu verzichten. Klimaschutz schafft Neues, macht Spaß und verbessert das Leben von Allen!

2 Kommentare

  1. Es leiden nicht nur die Kids unter Corona und den Verboten! Was ist mit den Erwachsenen, den Senioren?? Für die war es doch auch ein Spaß!
    Ja es ist ein Klimafresser, aber ich kenne genügend Menschen, die 3 Wochen ne Kreuzfahrt machen oder mit dem Flugzeug zum Surfen nach Hawaii fliegen! Und genau diese Menschen erklären mir, das sie auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz achten!
    Lasst doch die Eiszeit und wendet euch wirklichen Klimakillern zu! Zum Beispiel den Schiffen, die immer noch nicht auf das Klima achten!
    Einfach nur mal über den Tellerrand schauen und nicht nur vor der Haustür!

    1. Hallo Evelyn,
      ich verstehe Deine Frustration gut, wenn die Eiszeit ohne adäquate Alternative für Jung und Alt gestrichen wird und nur auf Klimaschutz geschoben wird. Gleichzeitig haben wir eine Energiekrise. Man diskutiert Tempo 100 oder Auto-freie Sonntage, um von unserer Abhängigkeit von Russland los zukommen. Unser Geld finanziert aktuell den Krieg in der Ukraine. Gleichzeitig haben wir die Klimakrise: der Weltklimarat IPCC gibt uns noch10 Jahre, in denen wir die schlimmsten Folgen der Erderhitzung noch abwenden können. Bei uns kommen aber immer noch <50% des Stroms nicht aus erneuerbarer Energie. Und gerade Wolfratshausen steht grad mal bei <16%, also muss man insbesondere hier vor der Haustür kehren und nicht woanders hin worauf wir noch weniger Einfluss haben. Aber es wird auch so eine enorme Kraftanstrengung, die über kurz oder lang auch nicht vor Schiffen oder Flügen halt machen wird. Und auch eine offene Eisfläche braucht viel Energie. Mit dem Verbrauch eines Tages könnte man 3.100km mit einem eAuto fahren.
      Wir haben wie Du auch diese gespaltenen Gefühle, weswegen wir ja den offenen Brief verfasst haben. Mit gutem Gewissen kann man aus unserer Sicht die Eiszeit nicht verteidigen, aber wir fordern eine Alternative.
      Viele Grüße
      Jan im Namen von WOR For Future

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