Geht uns das Wasser aus?
Auch in diesem Winter ist es bei uns sehr trocken. Mit der Klimakrise haben sich der Niederschlag und die Verdunstung verändert. Das hat die Verfügbarkeit von Wasser auf der Landoberfläche beeinflusst. Welche Auswirkungen hatte das auf den Wasserspeicher bei uns?
In einer neuen Studie in Science wurden Daten von Satelliten zur Bodenfeuchte, Messungen des Meeresspiegels und Beobachtungen der Polbewegung verwendet, um den Wasserspeicher auf dem Land in den letzten vierzig Jahren zu schätzen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Wasserspeicher weltweit stark zurückgegangen ist – so nahm der Wasserspeicher auf dem Land fast doppelt so stark ab wie die Eismasse in Grönland im gleichen Zeitraum.
🌊 Der Bodensee – 625.000-mal leergepumpt
Weltweit hat die Bodenfeuchtigkeit stark abgenommen. Seit der Jahrtausendwende hat diese um rund 2600 Milliarden Tonnen Wasser abgenommen – eine unvorstellbare Zahl. Der Bodensee hat ein Volumen von 48 km³ (etwa 48 Milliarden Tonnen Wasser). Der Wasserverlust seit 2000 entspricht also dem 625.000-fachen des Bodensees.
Die höhere Verdunstung führt selbst bei wenig geänderten Niederschlägen zu Trockenheit. Um Ernten zu retten, pumpen Landwirte zunehmend Grundwasser ab und leiten es auf ihre Felder – doch dieses Wasser versickert nicht vollständig im Boden, sondern gelangt über die Flüsse schließlich ins Meer. Dort angekommen, bleibt es dem natürlichen Wasserkreislauf an Land dauerhaft entzogen.
Eine zusätzliche Quelle für Trinkwasser sind bei uns im Alpenraum die Gletscher. Aber auch bei diesen macht sich die Klimakrise bemerkbar. In Mitteleuropa sind laut einer Studie der ESA seit dem Jahr 2000 rund 39 Prozent des Gletschereises verschwunden. In vergleichsweise niedrigeren Gebirgen wie den Alpen ist damit zu rechnen, dass viele Gletscher verschwinden.
Die Autoren der Science-Studie warnen, dass dieser Wasserverlust wahrscheinlich irreversibel ist. Dies alles trägt auch noch zum Anstieg des Meeresspiegels bei.
Was können wir für mehr Wasser bei uns tun?
Noch gibt es bei uns ausreichend Grundwasser. Grundsätzlich müssen wir in Deutschland aber langfristige Maßnahmen ergreifen, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren:
- In der Landwirtschaft kann die Einführung wassersparender Anbaumethoden wie Tröpfchenbewässerung den Wasserverbrauch deutlich senken.
- Städte wiederum können durch Entsiegelung, Bäumen zur Beschattung, Dachbegrünung und Schwammstadtkonzepte den Wasserrückhalt verbessern und Überschwemmungen vorbeugen. Auch deswegen ist es wichtig das unsere Stadt kommunale Strategien für Hitzeschutz und Starkregen entwickelt.
- Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Renaturierung von Feuchtgebieten, Mooren und Flüssen wie der Loisach, aber auch an Kanälen wie dem Isar-Loisachkanal. Durch natürliche Bepflanzung wird nicht nur Wasser gespeichert, sondern auch CO2 gebunden. Auch aus diesem Grund ist es fatal, wenn gefällte Bäume nicht ersetzt werden – wie beispielsweise von Uniper geplant.
Referenzen
- K.-W. Seo et al., Science 387, 1408 (2025).
- “Hoffnung auf Wetterwende: Die Mega-Dürre, die uns jetzt droht”, Focus 2025.
- “Klimawandel: Die Gletscher schmelzen rasant.” Pressemeldung Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2025
Comments are closed