Vegan ist ungesund, unnatürlich, schmeckt nicht und ist teuer !

Sich rein pflanzlich zu ernähren gibt einem keine Kraft und das wird auch nur von Spinnern gelebt ! Darüber hinaus trägt es durch den dadurch geförderten Sojaverbrauch zu Abholzungen und Monokulturen im tropischen Regenwald bei. Komplett vegan kann man sowieso nicht leben, viele Gegenstände gibt es nur nicht-vegan.

Soso, sehen wir uns das einmal näher an.

Zunächst noch eine Anmerkung: dies soll keine Aufforderung sein, sich pflanzlich zu ernähren. Es sollen vielmehr Vorurteile und Falschmeldungen ausgeräumt werden, die über die vegane Ernährung im Umlauf sind. Jede/r soll selbst entscheiden, wie sie/er sich ernähren möchte. 

Weshalb ist es überhaupt wichtig, unseren Konsum tierischer “Produkte” zu verringern?

Der Tierschutz ist offensichtlich und wichtig. In diesem Artikel soll es allerdings um andere Faktoren gehen. Zwei davon sollen kurz dargestellt werden. Da wäre zB der Klimaschutz. Kühe produzieren im Rahmen ihrer Verdauung Methangas – das rund 25 mal klimaschädlicher1 ist als CO2 und somit noch viel intensiver zur Erderwärmung beiträgt. Die Fleischproduktion allein ist für 31% der globalen Treibhausgas-Emissionen unter Nahrungsmitteln verantwortlich. Des Weiteren verlieren wir enorme Mengen an Nahrungsenergie. Durch die Umwandlung pflanzlicher Nahrungsmittel verlieren wir auf dem physiologischen Weg zum Fleisch durchschnittlich über 80 % der zur Verfügung stehenden Energie, die in den Pflanzen steckt2. Dadurch benötigen Tiere mehr Landfläche – zum Weiden oder zum Anbau von Tierfutter. Dieser Landverbrauch erhöht ebenfalls die CO2-Emissionen, beispielsweise wenn Regenwald abgeholzt wird. Und mittelfristig stellt dieser Flächenverbrauch ein Versorgungsproblem dar, da die globale Bevölkerung laut UNO auf 10-11 Milliarden Menschen anwachsen wird und gleichzeitig mit der Klimakrise Anbauflächen wegfallen werden. Mit Pflanzen könnten viel mehr Menschen ernährt werden als über den Umweg zum Fleisch.

Nun zu den vermeintlichen Merkmalen pflanzlicher Ernährungs- und Lebensweise:

Ungesund

Das Risiko, an sogenannten Volkskrankheiten zu erkranken ist bei veganer/vegetarischer Ernährung geringer. Studien zeigen, dass diese Ernährungsformen bei der Vermeidung von Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und anderen Krankheiten eine wichtige Rolle spielen kann3. Wenig Eiweiß: Vegane Ernährung liegt bei ca. 10% Eiweiß in der Nahrung, bei omnivorer Ernährung sind es in westlichen Ländern ca. 10 – 15 %. Die WHO geht davon aus, dass mit 10 % der Bedarf gedeckt ist4. Wer dennoch lieber mehr Eiweiß zu sich nehmen möchte, kann das sehr einfach mit den entsprechenden pflanzlichen Quellen erreichen (zB auf Basis von Bohnen).

Fehlende Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente: Außer Vitamin B12 ist in pflanzlicher Ernährung alles enthalten, sofern die Ernährung ausgewogen und vollwertig gestaltet wird und keine Erkrankung vorliegt oder erhöhter Bedarf besteht. Für Kinder und schwangere Frauen sollte besondere Beratung stattfinden, um eine gesunde Ernährung sicher zu stellen. Um einem Mangel vorzubeugen, können sich Vegan-Einsteiger helfen lassen. Organisationen bieten Unterstützung an (siehe links am Ende des Artikels) und es gibt gute Bücher zu diesem Thema (siehe Buchempfehlungen am Ende des Artikels). Um sicher zu gehen, kann über den Hausarzt ein dementsprechendes Blutbild erstellt werden. Auf deren Basis können Anpassungen der Ernährung erfolgen – nicht nur für sich pflanzlich ernährende Menschen eine Option.

B12 wird übrigens nicht von den Tieren produziert, sondern von in deren Darm lebenden Bakterien. Tatsächlich gibt es die beim Menschen auch – allerdings an einer Stelle im Darm, wo das B12 nicht mehr aufgenommen wird. Mit mikrobiell hergestellten Vitamin B12 kann man mit Ergänzungsmitteln auf der sicheren Seite sein. Hier ist übrigens ein Mangel in der Bevölkerung nicht auf pflanzlich ernährende Menschen beschränkt. Es gibt Empfehlungen, dass auch Menschen, die tierische Produkte zu sich nehmen, ihren B12 Spiegel messen lassen sollen, um potentiell einem Mangel vorzubeugen.

Giftiges Sojaeiweiß: ja, das gibt es – genau wie bei anderen Bohnen, die deswegen nur gekocht gegessen werden dürfen. Damit wird der Giftstoff inaktiviert und ist kein Problem mehr. Auch die negative hormonelle Wirkung von bestimmten Soja-Eiweißen wurde widerlegt6.

Unnatürlich

Es gibt viele Tierarten, von denen man es nicht erwartet hätte, dass sie sich vegan ernähren.

Bei Gorillas ist es sehr schön zu sehen, dass vorwiegend, pflanzliche Ernährung (ein sehr geringer Teil kann aus Insekten bestehen) nichts mit wenig Muskelmasse zu tun haben muss. Aber auch Elefanten, Bisons, Nashörner, Pferde, Kühe, manche Wale etc. ernähren sich pflanzlich und sind allesamt keine schwachen oder schmächtigen Gestalten.

Schmeckt nicht

Die Vielfalt der pflanzlichen Gerichte ist enorm – es gibt gut bürgerliche Gerichte, die den auf Tierprodukte basierten nicht nachstehen bis zu ausgefallenen Rezepten, auch welche, die aus bekannten Produkten Neues zaubern. Dabei braucht es auch keine ausgefallenen Zutaten. Zugegeben, wenn man von Milch, Sahne und Eiern als Zutaten kommt, benötigt man Starthilfe und auch Geduld – zumindest beim Weglassen der Eier für bestimmte Speisen. Hat man ein paar Kniffe herausgefunden, dann gibt es wenig, dass sich nicht auch pflanzlich reproduzieren ließe – wenn das gewünscht ist. Aber auch gerade über das Bekannte hinaus gibt es hier viel zu entdecken.

Die Anzahl der Restaurants, die pflanzliche Gerichte ausschließlich oder zusätzlich anbieten, wächst zusehends. Auch hier gibt es alle Ausprägungen, vom Imbiss zum Sternelokal – hier ohne Wertung aufgeführt, da auch ein Imbiss exzellentes Essen bieten kann. 

Ist teuer

Sofern die Nahrung nicht vorwiegend aus teuren Convenience Produkten besteht und eher auf Basisprodukte zurückgegriffen wird, kann es sogar günstiger sein als Ernährung unter Einbezug tierischer Produkte.

Gibt einem keine Kraft

Carl Lewis, der berühmte Sprinter, wählte während seiner Profikarriere den veganen Ernährungsstil. Er begründet damit auch seine verlängerte Karriere. 

Patrik Baboumian6, der vielleicht berühmteste vegane Athlet in Deutschland, erzielte z.B. den Europameister im Powerlifting.

Weshalb sollte das auch nicht möglich sein? Das häufig angeführte Argument zum fehlenden Eiweiss kann es nicht sein, wie wir schon gesehen haben.

Wird nur von Spinnern gelebt

James Cameron, Brad Pitt (und auffallend viele weitere Musiker und Schauspieler) ernähren sich pflanzlich. Wenn man Vegetarier mit einbezieht kommen noch Albert Einstein, Goethe, Leonardo da Vinci, Leo Tolstoi, Gustav Mahler, Nikola Tesla, Franz Kafka und viele weitere hinzu die in der Geschichte wichtige Beiträge geleistet haben oder es heute noch tun. Und auch 19% der indischen Bevölkerung (>260 Mio Menschen) leben vegan sowie weitere 22% vegetarisch – hauptsächlich aus religiösen Gründen. Ach ja, Lisa Simpson ist Vegetarierin und Spock, von Star Trek, wird sich von 2230 an auch vegan ernähren 🙂

Erhöhter Sojaverbrauch

Tja, dieses Argument ist mit einer Zahl vom Tisch: ca. 80% des weltweit angebauten Sojas geht in die Herstellung von Tierfutter5. Bio-Tofu kommt meistens aus Europa – auch mit Soja aus Deutschland und Österreich.

Nicht-vegane Gegenstände – gibt es da keine Alternativen?

Es gibt viele Möglichkeiten, auf pflanzliche Produkte zurückzugreifen, bei denen es offensichtlich ist. Bei der Kleidung z.B. gibt es sehr viele, gekennzeichnete Alternativen. Es muss nicht immer der Lederschuh sein – hier gibt es prima Alternativen aus verschiedenen pflanzlichen Ausgangsstoffen. Es ist erstaunlich, wie haltbar solche Produkte hergestellt werden können. Es lohnt sich allerdings zu vergleichen, da manche solcher Produkte (noch) teuer sind. Funktionskleidung ist unproblematisch, ohne tierische Produkte zu beziehen.

Bei vielen Produkten ist heutzutage beschrieben, ob sie vegan sind – ansonsten einfach nachfragen, das treibt die Umstellung zu Alternativen.

Es ist allerdings tatsächlich so, dass oft tierische “Produkte” in alltäglichen Gegenständen vorhanden sind, wo man es nicht vermuten würde. Bier zB ist ja eigentlich von sich aus ein veganes Lebensmittel. Die für die alkoholische Gärung notwendige Hefe gehört zu den Pilzen. Nach dem Reinheitsgebot ist es vorgegeben, dass nichts außer Hopfen, Malz, Hefe und Wasser im Bier enthalten sein darf – zumindest wenn es nach diesem Grundsatz gebraut wird. Allerdings gibt es Biere, bei denen das Flaschenetikett mit Casein (Milcheiweiß) aufgeklebt wird – das Produkt ist somit eigentlich nicht mehr vegan. 

Das ist dann allerdings schon etwas für Fortgeschrittene – es ist schon viel getan, wenn man auf das Offensichtliche reagiert.

Quellenangaben

1: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase

2: https://4everpets.org/allgemeine-fragen/wie-viel-energie-wird-in-einer-nahrungspyramide-zwischen-den-einzelnen/

3: https://albert-schweitzer-stiftung.de/themen/vegan-gesund

4: Gill Langley, Vegane Ernährung, ISBN: 978-3-926914-33-0

5: https://ecodemy.de/magazin/soja-gesund-oder-ungesund/

6: https://www.presseportal.de/pm/12276/5087900, https://de.wikipedia.org/wiki/Patrik_Baboumian6: https://ourworldindata.org/vegetarian-vegan

Buchempfehlungen

  • Roanne van Voorst, 2022, Einst aßen wir Tiere, ISBN: 978-3-442-31663-2
  • Bettina Hennig, 2016, Ich bin dann mal vegan, ISBN: 978-3-596-03105-4
  • Jonathan Safran Foer, 2010, Tiere essen, ISBN: 978-3-462-30219-6
  • Gill Langley, 1999, Vegane Ernährung, ISBN: 978-3-926914-33-0

Vegetarisch/vegane Organisationen

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