Sicher unterwegs in Wolfratshausen
Fast jeder zweite Verkehrsunfall mit Personenschaden betrifft hier Radfahrende.
Diese Zahl steht auf unseren Plakaten – und sie wirft Fragen auf. Auf dieser Seite erklären wir, was dahintersteckt, wie die Daten einzuordnen sind und was wir gemeinsam für mehr Sicherheit im Stadtverkehr tun können.
Woher kommen diese Zahlen?
Die Angaben basieren auf polizeilich gemeldeten Verkehrsunfällen mit Personenschaden der letzten fünf Jahre. Reine Sachschäden werden nicht systematisch erfasst, daher dürfte die Dunkelziffer noch höher sein.
Diese Daten wurden über Netzwerk Klimazukunft ausgewertet, eine offene Daten-Plattform für Kommunen. Netzwerk Klimazukunft macht sichtbar, wie sich Städte in Bereichen wie Mobilität, Sicherheit, Energiewende und Klimaschutz entwickeln – auf Basis öffentlicher Statistiken und Daten. Die Plattform wurde von uns aufgebaut und befindet sich noch im Aufbau.
👉 Alle Daten zu Mobilität in Wolfratshausen findest du unter diesem Link
Wie sind die Zahlen einzuordnen?
Die gute Nachricht zuerst: In Wolfratshausen gibt es insgesamt weniger Verkehrsunfälle als im Durchschnitt vergleichbarer Städte (2,3 Unfälle pro 1000 Einwohner und Jahr bei uns – im Vergleich zu 2,8 Bundesweit).
Die andere Seite der Medaille: Der Anteil der Unfälle, an denen Radfahrende und Fußgänger beteiligt sind, ist deutlich höher (44% Radfahrer-Beteiligung / 10% Fußgänger-Beteiligung im Vergleich zu 25% /5% Bundesweit – jeweils bezogen auf Kommunen mit gleicher Einwohnerzahl).
Man kann nicht mit Bestimmtheit sagen, woran das liegt und bedarf weiterer Analyse. Auffällig ist jedoch:
- In Wolfratshausen haben wir ca. 57 km Radwege oder Radschutzstreifen bei 157 km Straße
- Pro Einwohner ist der Anteil wenig, aber pro km2 Fläche vor Ort ist es Durchschnitt.
- Alle dieser Wege werden gemeinsam mit anderen Verkehrsteilnehmern genutzt.
Gerade für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen sind sichere Gehwege und Querungen entscheidend für selbstständige Mobilität. Die Diskussionen um die Neugestaltung vor dem EDEKA in der Sauerlacher Straße zeigen aber auch, wie schnell die Belange von Rad- und Fußgängern vergessen werden. Das bedeutet:
- Viele Wege werden hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt – grundsätzlich positiv.
- Der Straßenraum ist dafür aber oft nicht ausreichend sicher gestaltet.
- Besonders an Kreuzungen, Engstellen und Hauptstraßen entstehen gefährliche Situationen.
Mehr Menschen auf dem Rad heißt nicht automatisch mehr Gefahr. Aber ohne passende Infrastruktur steigt das Risiko für die Schwächeren im Verkehr.
Was du tun kannst
Sichere Mobilität entsteht nicht von allein. Sie braucht Aufmerksamkeit, Rücksicht – und Beteiligung.
1. Die Zukunft mitgestalten: Mobilitätskonzept
Die Stadt Wolfratshausen arbeitet aktuell an einem Mobilitätsentwicklungskonzept. Darin wird festgelegt, wie sich Verkehr, Sicherheit und Aufenthaltsqualität in den kommenden Jahren entwickeln sollen – für Auto, Rad, Fußverkehr und ÖPNV. Wir und andere Bürgerinitiativen arbeiten daran mit, aber es wird auch ein Bürgerforum geben um die Ergebnisse mit Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. Beschlossen wird das finale Konzept im neuen Stadtrat, der nächstes Jahr gewählt wird.
👉 Informiere dich hier:
https://www.wolfratshausen.de/dienstleistungen-der-stadt/mobilitaet/mobilitaetsentwicklungskonzeptEntscheidungen über Verkehrssicherheit sind letztlich politische Entscheidungen. Umso wichtiger ist es, dass dieses Thema im kommenden Kommunal-Wahl sichtbar bleibt.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sichere Rad- und Fußwege, Tempo-Reduzierung und eine faire Aufteilung des Straßenraums im Konzept, aber auch in der Umsetzung einzufordern…
- Im Bürgerforum
- Im Kontakt mit Stadträtinnen und Stadträten bzw. Kandidaten für diese Ämter
- Im Kontakt mit Bürgermeister und Verwaltung
2. Rücksicht im Alltag
Unabhängig von Konzepten und Planungen gilt jeden Tag:
- Tempo anpassen – besonders innerorts
- Ausreichend Abstand beim Überholen
- Kreuzungen bewusst und aufmerksam passieren
- Kinder, ältere Menschen und Unsichere besonders schützen
Gegenseitige Rücksicht ist der einfachste und wirksamste Beitrag zu mehr Sicherheit.
3. Gefährliche Stellen melden
Nicht jede problematische Stelle ist der Stadt oder Polizei bekannt. Beispielsweise wurde bei Diskussionen um den Verkehr EDEKA/Sauerlacher Straße rückgemeldet, dass der Polizei dort keine Unfälle bekannt wären – was in Diskrepanz zu Berichten von Bürgern an uns war. Hinweise aus der Bürgerschaft helfen also, gezielt nachzubessern.
Das kannst du tun:
- Unfälle oder Beinahe-Unfälle der Stadtverwaltung oder Polizei melden
- Stadträtinnen und Stadträten konkrete Beispiele schildern
- Erfahrungen in Beteiligungsformaten einbringen (Bürgerversammlung, Bürgerfragestunde)
Je konkreter die Hinweise, desto größer die Chance auf Veränderung.
Warum das wichtig ist
Sichere Wege für Radfahrende und Fußgänger bedeuten:
- weniger schwere Unfälle
- mehr Lebensqualität
- mehr selbstständige Mobilität für Kinder und ältere Menschen
- eine Stadt, in der man sich gern bewegt
- weniger fossile Emissionen durch Bewegung von Verbrenner-Kraftfahrzeugen
Verkehrssicherheit ist keine Ideologie – sie ist eine Frage von Verantwortung.

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