Benzin? Kann ich mir nicht leisten.
Wenn ich an einer Tankstelle vorbeifahre und sehe, denke ich oft: das kann ich mir nicht leisten. Nicht den Sprit allein — sondern das ganze Paket. Und genau das ist die Pointe unseres Posters: Ein Auto kostet weit mehr, als auf dem Kontoauszug landet. Ein großer Teil der Kosten fließt nämlich nicht aus deinem Geldbeutel, sondern aus dem aller anderen — und vor allem dem unserer Kinder.

Drei Balken, ein klares Bild
Auf dem Poster siehst du drei Säulen: Verbrenner, E-Auto, Fahrrad. Pro Jahr, bei realistischen 20.000 Kilometern Fahrleistung (für ein Auto). Die Zahlen sprechen für sich:
- Verbrenner: rund 10.000 € pro Jahr
- E-Auto: rund 6.900 € pro Jahr
- Fahrrad: rund 300 € pro Jahr
Der Verbrenner kostet also etwa dreißigmal so viel wie das Fahrrad. Das ist keine Polemik, das ist Mathematik. Mittelklassewagen, hochwertiges Trekkingrad, alles über zwölfeinhalb Jahre abgeschrieben — eher konservativ gerechnet.
Was du zahlst, und was die Gesellschaft zahlt
Hier wird es interessant. Nicht alle Kosten landen bei dir. Wir trennen sie deshalb sauber:
Persönlich aus deinem Konto:
- Verbrenner: 8.770 €/Jahr — Anschaffung, Wartung, Steuer, Versicherung, TÜV, Sprit
- E-Auto: 6.270 €/Jahr — dasselbe, nur Strom statt Benzin – weniger Wartung, keine Steuer
- Fahrrad: 300 €/Jahr — Anschaffung, Wartung, Diebstahlversicherung
Die Allgemeinheit zahlt zusätzlich (CO₂-Schadenskosten nach Umweltbundesamt, 300 €/t):
- Verbrenner: 1.234 €/Jahr — Schäden durch Sprit-Verbrennung plus anteilige Herstellung
- E-Auto: 642 €/Jahr — überwiegend aus Strommix und Batteriefertigung
- Fahrrad: 5 €/Jahr — anteilige Herstellung, das war’s
Diese 1.234 € beim Verbrenner sind keine Strafsteuer und keine moralische Erfindung. Es ist der wissenschaftlich ermittelte Schaden, den jede ausgestoßene Tonne CO₂ in Form von Hitzewellen, Ernteausfällen, Sturmschäden, Gesundheitsproblemen und Anpassungskosten verursacht. Das Umweltbundesamt empfiehlt dafür in seiner aktuellen Methodenkonvention 300 €/t — und das ist sogar der zurückhaltende Wert. Bei ethisch konsequenter Gleichgewichtung heutiger und zukünftiger Generationen wären es 880 €/t.
Der wahre Preis von Benzin und Diesel
Mach dir mal klar, was das konkret bedeutet. An der Zapfsäule zahlst du derzeit über den BEHG-CO₂-Preis etwa 65 €/t — also knapp 22 % der tatsächlichen Schadenskosten. Würde der echte Preis voll eingepreist, müsste der Liter Benzin etwa viermal so teuer sein wie heute. Nicht weil irgendwer dich abzocken will, sondern weil das die ehrlichen Kosten wären, die jemand am Ende zahlt — heute, morgen oder in fünfzig Jahren. Im Zuge des Irankrieges wird statt dessen Benzin subventioniert.
Wir haben dieses Tankrabatt-Modell bei den Schadenskosten so akzeptiert, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Die 1.234 € pro Jahr und Verbrenner kommen ja nicht aus dem Nichts: Sie zahlen die Bauern, deren Ernte ausfällt. Die Kommunen, die nach Starkregen ihre Brücken sanieren. Die Krankenkassen, die hitzebedingte Notaufnahmen abrechnen. Und am stärksten zahlen die Generationen, die das alles geerbt haben, ohne gefragt worden zu sein.
Aber das E-Auto, der Rucksack, die Batterie…
Es gibt auch ganz viele Mythen und veraltete Informationen zu E-Autos. Auf dieser Seite findet Ihr Antworten zu vielen solchen Fragen.
Ja, der CO₂-Rucksack der Batterie ist real. Wir rechnen ihn auch mit ein: ungefähr 5,5 Tonnen CO₂ allein für eine 75-kWh-Batterie nach EU-Strommix, plus rund 7 Tonnen für den Rest des Fahrzeugs — insgesamt etwa 12,5 Tonnen Herstellungs-CO₂ für ein Mittelklasse-E-Auto. Das ist deutlich mehr als die 7 Tonnen eines vergleichbaren Verbrenners.
Über 250.000 Kilometer verteilt sind das aber nur 1.000 kg/Jahr — und werden vom Betrieb mehr als kompensiert. Ein Verbrenner stößt allein durchs Fahren rund 3.555 kg CO₂ pro Jahr aus, ein E-Auto nur 1.140 kg. Selbst mit dem schwereren Rucksack liegt das E-Auto in der Gesamt-CO₂-Bilanz deutlich vorn. Und der Vorsprung wächst: Je grüner der Strommix wird, desto besser wird auch die Bilanz schon zugelassener E-Autos — beim Verbrenner ist sie ab Werk fest.
Eigene PV-Anlage? Dann fährst du nochmal deutlich billiger und sauberer. Im Poster haben wir mit 0,20 €/kWh Haushaltsstrom gerechnet — wer mit Sonnenstrom vom eigenen Dach lädt, halbiert auch diese Kosten gut. Stromtarife speziell für E-Autos liegen teilweise bei 12,5 ct/kWh.
Was im Poster noch fehlt
Wir haben absichtlich konservativ gerechnet. Ehrlicherweise müsste man noch dazurechnen:
- Luftschadstoffe — Stickoxide und Feinstaub aus dem Verkehr verursachen in Deutschland mehrere Milliarden Euro Gesundheitsschäden pro Jahr. Beim E-Auto deutlich weniger, beim Fahrrad praktisch keine.
- Lärm — auch ein klassisches externes Kostenposten, das beim Auto anfällt und beim Fahrrad nicht.
- Flächenverbrauch — Straßen, Stellplätze, Parkhäuser. Ein Auto belegt in Deutschland im Schnitt rund 12 m² dauerhaft, davon 23 Stunden am Tag ungenutzt.
- Unfallexternalitäten — was die Gesellschaft an Notaufnahmen, Reha, Ausfallzeiten zahlt, weil Autos schneller fahren und mehr Masse haben als Räder.
Würden wir das alles einrechnen, würde der Verbrenner-Balken nochmal deutlich nach oben schießen. Das Fahrrad bliebe quasi unverändert.
Was tun?
Niemand muss morgen sein Auto verschrotten. Aber wenn die nächste Anschaffung ansteht: Ehrlich rechnen. Welche Strecken brauche ich wirklich ein Auto? Welche gehen mit dem Rad oder ÖPNV? Lohnt sich der Wechsel zu einem E-Auto? Und politisch: Akzeptieren wir, dass ein erheblicher Teil unserer Mobilitätskosten bei anderen abgeladen wird — oder fordern wir, dass die Preise endlich die Wahrheit sagen?
Solange das nicht passiert, gilt für mich: Benzin? Kann ich mir nicht leisten. Im wörtlichen Sinn — wenn ich die wahren Kosten ehrlich verbuchen müsste. Und im übertragenen Sinn — meinen Kindern und Enkeln gegenüber.
Datenquellen: Umweltbundesamt, Methodenkonvention 3.2 zur Ermittlung von Umweltkosten (2024); ADAC-Kostenrechner; eigene Berechnungen. Annahmen: Mittelklasse-Verbrenner 35.000 €, vergleichbares E-Auto 45.000 €, hochwertiges Trekkingrad 1.500 €. 20.000 km/Jahr, 250.000 km Lebenszyklus, CO₂-Preis 300 €/t.

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