Ernährung

Ernährung und Markt
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Was Ernährung betrifft, hat jeder Mensch eigene Werte und Vorstellungen – die nicht nur individuell, sondern auch stark von unserer Kultur geprägt sind. Beispielsweise dient das gemeinsame Grillen eben nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern erfüllt auch einen sozialen Zweck in unserer Gemeinschaft. Dementsprechend ist es für manchen schwer, seine Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Leider hat unser Essen – wie wir es heute gewöhnt sind – einen starken Einfluss auf die Klimaerhitzung. Und nicht nur darauf, sondern auch auf das Tierwohl, unsere Gesundheit uvm. Es gibt also viele Gründe, seine Ernährung umzustellen. Wir wollen hier einige aufführen und auch hier Schritt für Schritt Denkanstöße geben.

Achte darauf, was Du isst

Tierhaltung gilt als Haupttreiber klimaschädlicher Gase im Bereich Ernährung. Die Fleischproduktion allein ist für 31% der globalen Treibhausgas-Emissionen unter Nahrungsmitteln verantwortlich. Insbesondere der Verdauungsprozess von Wiederkäuern (Methan) trägt den größten Teil dazu bei – mehr dazu weiter unten. Interessant ist aber auch, dass der Transport mit 6% nur einen relativ kleinen Teil ausmacht. Was Du isst ist viel wichtiger als woher Deine Lebensmittel kommen. Eine Studie rechnet vor, dass man mit dem Verzicht von Fleisch an nur einem einzigen Tag in der Woche genau so viele Emissionen einspart, wie wenn man alles maximal lokal einkauft. Mit einer Ausnahme: sobald ein Produkt eingeflogen wird, verschlechtert sich die Bilanz deutlich.

Weltweite Anteile der Treibhausgase durch Nahrungsmittelproduktion.
Quelle: OurWorldinData

Tierische Lebensmittel haben eindeutig den größten Einfluss auf die Erderhitzung – woher kommt das? Jetzt wird es etwas kompliziert:

Methan

Beim Verdauungsprozess von Tieren entsteht Methan. Viel bei Rindern und Schafen – was gut 50% ihrer Emissionen ausmacht. Und immer noch einiges bei Schweinen und auch bei Fisch-Aquakulturen. Bei Pflanzen ist dies mit Ausnahme von Reis kein Thema. Methan ist ein 28x stärkeres Treibhausgas als CO2 und trägt signifikant zur Klimaerhitzung bei, wobei viel auch von anderen Quellen in die Atmosphäre entweicht wie z.B. leckende Erdgas-Pipelines. Allerdings ist Methan kurzlebig (Jahrzehnte), CO2 ist langlebig (Jahrhunderte): Dies erschwert die Umrechnung. Aber selbst wenn man Methan komplett ignoriert, sind die Emissionen von tierischen Lebensmittel immer noch ein Vielfaches von pflanzlichen Lebensmitteln.

Landnutzung

Der zweite große Faktor für die Klimaerhitzung bei der Produktion von Lebensmitteln sind Emissionen bei der Landnutzung. Darunter versteht man Rodung von Wald, um Ackerbau zu betreiben (z.B. Sojaanbau im Regenwald, was dann als Tierfutter zu uns exportiert wird), Ausgasung von CO2 beim Beackern von Feldern, Ausgasung von Lachgas bei der Stickstoffdüngung von Feldern und Wiesen. Da Tiere mehr Landfläche als Pflanzen benötigen um zu wachsen (als Weide oder indirekt durch Anbau von Tierfutter), stehen sie im Vergleich schlechter da. Paradoxerweise schneiden hier Tiere aus Massentierhaltung wie Batteriehühner besser ab im Vergleich zu nachhaltiger Tierzucht, weil sie weniger Fläche bekommen und kürzer leben. Und an dieser Stelle gibt es in der Wissenschaft auch noch eine Diskussion, in wieweit weitere Faktoren berücksichtigt gehören – wie Pestizideinsatz, Bodengesundheit und Landschaftserhaltung. Nachhaltig bewirtschaftete Böden und Weiden können auch CO2 aus der Atmosphäre binden, zur Biodiversität beitragen und sind resistenter gegen den Klimawandel.

Masse und Klasse

Es gibt jedoch auch große Unterschiede zwischen den Produzenten, je nachdem wie nachhaltig diese arbeiten: der CO2-Fußabdruck von Rindfleisch reicht von 105 kgCO2eq pro 100 Gramm bis weniger als 9 kgCO2eq bei den besten Produzenten – also über einen Faktor von 10. Und dennoch reicht letzteres nicht an die schlechtesten Produzenten von Nüsse (2,4 kgCO2eq) oder Tofu (3,5 kgCO2eq) heran. Und gleichzeitig ist die Emission der Tierhaltung auch ein Problem der Masse: 94 % der Säugetier-Biomasse (ohne Menschen) sind Nutztiere. Das bedeutet, dass die Nutztiere die wild lebenden Säugetiere im Verhältnis 15:1 überwiegen.

Weniger Fleisch zu essen oder auf weniger belastende Fleischsorten wie Huhn, Eier oder Schweinefleisch umzusteigen, ist der effektivste Weg, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Worauf sollte ich nun als Verbraucher achten?

  • Weniger tierische Produkte; mehr pflanzen-basierte Nahrung.
  • Wenn Fleisch, dann nachhaltig bewirtschaftet. Es gibt bei uns etliche regionale Höfe, die Futter selber anbauen oder auch auf dem Hof schlachten.
  • Biologisch angebautes Obst und Gemüse.
  • Saisonale Produkte statt Lagerware. In Gewächshäusern erzeugte Tomaten verbrauchen 10x so viel Energie wie der Import von Tomaten aus Südeuropa, wenn sie gerade Saison haben. Insbesondere Tiefkühlung von Produkten kann die Bilanz verschlechtern (z.B. Äpfel in Frühjahr, Erdbeeren im Winter).
  • Verpackung macht immerhin 5% der Emissionen aus und ist auch für die Mikroplastik-Problematik relevant, daher verpackungsfrei kaufen oder als Mehrweg. Es gibt in unserer Region Unverpackt-Läden und Marktstände.
  • Keine Lebensmittel, die mit dem Flugzeug kamen. Diese werden leider nicht ausgezeichnet, aber insbesondere leicht verderbliche Früchte mit ferner Herkunft (z.B. Weintrauben aus Südafrika) können als solche erkannt werden.

Worauf sollte ich nun als Erzeuger achten?

Die Menschen brauchen weiterhin Nahrung und es werden nicht alle Vegetarier oder Veganer. Nachhaltige Lebensmittelproduktion ist der einzige Weg, die Klimaerhitzung unter Kontrolle zu bekommen. Es gibt von der FAO, Ernährungs- und Landwirtschafts-organisation der Vereinten Nationen, empfohlen etliche Hebel, wie das gelingen kann:

  • Energie: Über alle Kategorien hinweg machen fossile Energien immerhin 20% aus (Strom, Diesel für Fahrzeuge und Maschinen). Viele Höfe unterstützen bei uns die Energiewende bereits mit Photovoltaik. Darüber hinaus kann Energieerzeugung mit Biogas einen großen Beitrag beim Risiko der Dunkelflaute leisten und gleichzeitig das Problem der Überdüngung angehen. Auch Windkraft auf dem eigenen Grund kann eine Option sein.
  • CO2 binden: Böden können bei vergleichbarem Ertrag zu einem konventionellen System laut Langzeitstudien mit Techniken des ökologischen Landbaus einen beträchtlichen Zuwachs an organischer Bodensubstanz erreichen. Aufforsten und Rekultivierung von Mooren trägt ebenfalls dazu bei, CO2 zu binden. Düngen mit Gülle dagegen schadet nicht nur dem Grundwasser, sondern auch dem Klima.
  • Futter: Der Anbau von Leguminosen (Lupinen, Rotklee, Luzerne…) als Ersatz von importiertem Soja kann signifikant zu einem geringeren CO2-Abdruck beitragen. Gleichzeitig wird Stickstoff gebunden, welches ebenfalls ein starkes Treibhausgas ist und die Böden verbessert.

Dies alles sind nur ein paar ausgewählte Punkte als Gedankenanstoß. In der Bilanz kann man dadurch aber sogar CO2-Netto-Negativ werden – d.h. es wird mehr CO2eq gespeichert, als in die Atomsphäre gelangen.

Quellen und weiterführende Links

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