Photovoltaik selber ausbauen

Photovoltaik auf Dach
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Du besitzt ein Eigenheim? Klasse – denn dann kannst Du für Umwelt und Deine Einnahmen etwas gutes tun. Photovoltaik (PV) spielt eine zentrale Rolle für unsere nachhaltige Energiezukunft und der Ausbau ist nach wie vor zu langsam. Gleichzeitig kannst Du Deinen eigenen Strom auch verbrauchen – mit dem guten Gefühl garantiert echten Ökostrom zu verwenden.

Falls Du Fragen zum Mehrwert von PV im Allgemeinen hast, so findest Du Antworten in der Photovoltaik Faktensammlung des Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem.

PV für Mieter

Du bist Mieter oder wohnst in einem Mehrfamilienhaus? Auch dann kannst Du was für Photovoltaik tun. Sprich mit Deinem Vermieter oder schaue Dir Mini-PV-Anlagen für den Balkon an.

Balkonkraftwerke sind bis 600 Watt Ausgangsleistung technisch zulässig und können selber installiert werden. Die Hochschule Berlin bietet diesen Rechner für Stecker-Photovoltaik an. Fragen und Antworten zu steckbaren Solar-Geräten finden sich auch im FAQ der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie.

Selbst im Januar kann man an einem sonnigen Tag mit einer eigenen Photovoltaik hohe Anteile von Strom-Eigenversorgung erreichen. Das spart Geld und ist echter Ökostrom.

Photovoltaik auf dem Dach: Wie plane ich das?

Wir wollen das mal an einem fiktivem Beispiel durchspielen:

Edmund S., ein pensionierter Staatsbeamter, ist überzeugt, dass “Der Klimawandel wird viel schneller kommen, als wir bisher dachten, die Reaktionszeit ist kürzer” (Link). Da er bislang noch keine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, (PV) will er das endlich machen.

Für die Planung der PV muss Edmund einige Dinge berücksichtigen wie Ausrichtung und Neigung Deines Dachs, die Fläche und auch der eigene Verbrauch. Dies alles lässt sich über den Photovoltaikkataster des Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bestimmen. Die App kann nicht alle, aber viele dieser Fragen klären:

Ein Klick auf Edmunds Villa zeigt: Gut geeignet! Die roten Süd-seiten haben perfekte Sonneneinstrahlung. Wie hoch ist denn der Verbrauch von Edmund und seiner Frau? Hat er auch ein E-Auto oder kauft er sich bald eins? All das kann hier eingestellt werden. Auch wichtig sind folgende Überlegungen:

  • Installiere ich einen Stromspeicher? Dies ermöglicht Eigenverbrauch von ca. 70% Insbesondere hier wäre es spannend, wenn in Wolfratshausen auch gemeinschaftliche Stromspeicher entstehen würden (Handlungsempfehlung der Energiewende Oberland).
  • Nutze ich eine Wärmepumpe? In Kombination mit PV werden diese noch wirtschaftlicher und können auch als Energiespeicher dienen.

Das System sucht nun automatisch die geeignete Dachteilfläche aus. Fläche und Neigung wird berechnet. Um so höher der Strombedarf, um so mehr kann man auch finanziell sparen. Man kann nun auch noch sich wirtschaftlicher (maximale Rendite) und maximaler Platzierung (maximale CO2-Einsparung) der PV-Module auswählen.

Edmund hat nun die Wahl der Optionen: Eine minimale Investition von ca. 4.200 € für 3 kWp erbringt über 20 Jahre ´+2.400 € (2,1% p.a.). Ausgelegt für E-Auto und Speicher erzielt Edmund mit 4,8 kWp sogar +18.000€ (5,3% p.a.). Und er spart 53 Tonnen CO2. Mit maximaler Belegung von 9,9 kWp und leicht geringerer Rendite von 3,7% p.a. kann Edmund 97 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht ungefähr 10 Jahre der CO2-Emissionen einer Person in Deutschland.

Zu komplex? Die Energiegenossenschaft Fünfseenland bietet Dienstleistungen rund um den PV-Ausbau an –  von der Errichtung Deiner PV-Anlage, über Projektierung, Angebotsvergleich, Überwachung der Bauphase bis hin zum Betrieb.

Photovoltaik: Jetzt machen.

An Hand dieses Beispiels zeigt sich, wie wirtschaftlich und umweltfreundlich eine eigene PV-Anlage betrieben werden kann.

Es gibt zahlreiche Handwerksbetriebe, die PV-Anlagen installieren. Fehlt einem das Geld für die Investition, kann man über die KfW Zinsgünstige Kredite bekommen oder man verpachtet seine Dachfläche.

Strom verkaufen

Den größten finanziellen Gewinn machst Du mit dem Strom, den Du selber verbrauchst. Laut einer Studie des Fraunhofer-Institutes für Solare Energiesysteme liegen die Gestehungskosten (Kosten für die Erzeugung) einer kWh Solarstrom bei Kleinanlagen unter 30 kWp zwischen 5,81 und 8,04 Cent im Süden Deutschlands. Der Strompreis dagegen liegt bei um die 40 Cent/kWh. Die Differenz ist der eigene Gewinn. Je nach eigenem Verbrauchsverhalten kann man so 20-30% Stromkosten pro Jahr sparen (ohne Stromspeicher).

Je nach Dimensionierung der PV-Anlage wird man aber auch Strom produzieren, den mal selber nicht verbrauchen kann und trägt gleichzeitig noch mehr zur Energiewende bei. Falls dieser nach EEG förderbar ist, verkauft man diesen vor Ort an die Bayernwerke – zum jeweils für 20 Jahre festgelegten Fördersatz.

Nach diesen 20 Jahren oder ohne EEG-Förderung muss man diesen Strom selber verkaufen. Dies geht über Strommarktplätze – vor Ort gibt es beispielsweise #StromvonDahoam der 17er Oberlandenergie.

5 Kommentare

  1. Hallo Herr Reiners,
    mein Name ist Herbert Stobbe, ich wohne in WOR in der Sauerlacherstr.
    Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit “Balkonkraftwerken” und der
    Thematik der Nulleinspeisung. Eine kleine Anlage betreibe ich bereits, eine Vergrößerung ist geplant. Gibt es eine eine Community in WOR und Umgebung die sich damit beschäftigt und zur Verbreitung der (kleinen)Anlagen beiträgt um so zu einer besseren dezentralen Energiegewinnung zu gelangen ? Als Techniker würde ich mich gerne in diesen Bereich einfügen, wenn Bedarf besteht.

    1. Hallo Herr Stobbe,
      Danke für Ihre Nachricht. Aus eigener Erfahrung kenne ich mich nur mit PV-Anlagen auf dem Dach aus. Die Fünfseen Energiegenossenschaft aus dem Starnberger Landkreis bietet aber auch Dienstleistungen zu Mini-PV-Anlagen an – inkl. einem Verweis auf die FAQ der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Eine Community Rund um das Thema kenne ich leider nicht in unserer Stadt, aber wenn Sie mögen können Sie gerne einen Beitrag zu Balkonkraftwerken und Ihrer Erfahrung dazu auf unserer Web-Seite verfassen. Das wäre ein tolles Angebot.
      Viele Grüße
      Jan Reiners

      1. Hallo Her Reiners,
        vielen Dank für ihr Angebot mit der Veröffentlichung auf der Webseite. Wenn ich so zur Verbreitung der kleinen Anlagen beitragen kann, mache ich das gerne.
        Nachdem mein “Balkonkraftwerk” wegen Verschattung auf das Dach gewandert ist und einige Maßnahmen zur Optimierung dazugekommen sind, gebe ich meine Erkenntnisse gerne weiter. Eventuell kann man doch einige Bürger dazu ermutigen zur dezentralen Energieerzeugung beizutragen. Die Liefersituation für Panels und Wechselrichter ist momentan sehr schlecht, aber auch das wird wieder besser.
        Sonnige Grüße aus WOR
        H. Stobbe

    2. Hallo Herr Stobbe,
      für Balkonkraftwerke gibt super Hinweise über YouTube von „Money for Furture“ und „Balkonkraftwerk von Holger Laudeley“
      Gruß

      1. Hallo Herr Heuer,
        erst einmal vielen Dank für die Hinweise. Als Betreiber einer regelkonform angemeldeten “Steckerfertigen Erzeugungsanlage” mit 600W (Balkonkraftwerk) geht es mir nicht um das stumpfe Einspeisen, sondern um die bestmögliche Nutzung der gewonnenen Energie. Wenn man die Anlage regelmäßig überwacht und auch den Stromzähler mit in die Auswertung einbezieht, kann man sehen das ein nicht geringer Teil der Energie als Einspeisung in Richtung Provider gehen ( Einspeisung ). Um dieses Verhalten zu verbessern und trotzdem die 600W Regel nicht zu verletzen habe ich eine Möglichkeit erarbeitet, einen Teil der Energie kostengünstig zu speichern und nach Sonnenuntergang oder schlechtem Wetter zuzusetzen.
        Meine Anliegen ist ein zum Einen ein Austausch über weiterführende Optimierung und natürlich zur weiteren regelkonformen Verbreitung dieser dezentralen Energiegewinnung.

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