Ökostrom bei uns?

Echter Ökostrom?

Ist alles gut, wenn Du einfach nur “Ökostrom” von einem Energieversorger bestellst – etwa über Check24 oder ein ähnliches Vergleichsportal? Leider nein – hier ein paar Hintergründe zum Thema Ökostrom – mit Bezug zu unserer Region.

Wo kommt der Strom bei uns aus der Steckdose her? Derzeit “nur” 46% in Deutschland bzw. 41% bei uns im Oberland
(Quelle: Fraunhofer ISE 2021 2021 und Energiewende Oberland 2016; letzte Daten)

Was ist das Problem mit Ökostrom?

Grundsätzlich ist der Strom aus der Leitung überall der gleiche. In der Leitung wird nicht unterschieden, ob die Elektronen aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne, Wasser, Biomasse – oder eben aus konventionellen Energieträgern wie Kohle, Atomkraft oder Erdgas erzeugt worden sind.

Leider erhält der Strom aus konventionellen Quellen oft einfach ein Ökostrom-Label. Wenn ein Stromanbieter, der in Deutschland Kohlekraftwerke betreibt, seinen Kund:Innen Ökostrom anbieten will, kann er diese Herkunftsnachweise kaufen und seinen Strom um-etikettieren – ganz legal.

Beispielsweise verkauft Norwegen, bei denen mehr als 90% der Energie aus Wasserkraft stammt, viele dieser Zertifikate. Die norwegischen Kunden wissen, dass der Strom nachhaltig ist und brauchen keine Zertifikate. Stattdessen kann der deutsche Kohlekraftwerksbetreiber diese Zertifikate für ca. 0,2 cent/kWh über eine Börse kaufen und Kohlestrom teurer als Ökostrom weiter verkaufen.

Diese Art der Umetikettierung ist ein Beispiel für sogenanntes Greenwashing: Ein Produkt erscheint so deutlich grüner und ökologischer, als es eigentlich ist. Und es trägt in keiner Weise zur Energiewende zum Kampf gegen die Klimakrise bei.

Wo bekomme ich guten Ökostrom her?

Laut dem Umweltinstitut München sollte ein grüner Stromversorger…

  1. nur Ökostrom anbieten.
  2. eine steigende Ökostrom-Eigenversorgungsquote zum Ziel setzen.
  3. seinen Ökostrom direkt von Produzent:innen beziehen.
  4. baut eigene Erneuerbare-Energien-Anlagen.
  5. zertifiziert seinen Ökostrom.
  6. unterstützt Mieterstromprojekte & pachtet Dachflächen für den Solarausbau.

Mit den bekannten Vergleichsportale für Stromtarife und ihren Voreinstellung findet man solche echten Ökostromtarife nur schwer. Auch werden Regionalanbieter unterschlagen. Eine alternatives Vergleichsportal ist hier wirklich-gruen.de

Bei der Entscheidung kann auch der Ökostrom-Report von Robin Wood helfen oder Zertifikate von Umweltverbänden wie das Ok-Power-Label oder das Grüner-Strom-Label.

Aber was ist mit unseren und Stadtwerken regionalen Anbietern?

17er Oberlandenergie

Die Stadtwerke Wolfratshausen haben sich mit etlichen anderen Stadtwerken der Region zum 17er Oberlandenergie als regionaler Energieversorger zusammengeschlossen. Laut Robin Wood ist die 17er ein regionaler Ökostromanbieter, der “laut Stromkennzeichnung zu 100% Öko-Strom bezieht (Stand: Ende 2019). Regionale Ökostromanbieter konnten von ROBIN WOOD allerdings nicht eingehend geprüft werden, da es von ihnen zu wenig Rückmeldungen gab“.

Auf der Web-Seite der 17er findet man Herkunftsnachweise für 100% Wasserkraft (Kriterium #1 + #3). Es findet sich jedoch keine Zertifizierung (Kriterium #5). Laut eigener Aussage sollen “in naher Zukunft drei Photovoltaik-Freiflächen-Anlagen in der Region realisiert werden” (Kriterium #2 + #4). Kriterium #6 – Mieterstromprojekte oder gepachtete Dachflächen – scheinen dagegen leider weder bei 17er noch bei unseren Stadtwerken ein Thema zu sein.

Somit sind 4 der 6 Ökostrom-Kriterien erfüllt. Immerhin bietet 17er auch einen Strommarktplatz namens #StromvonDahoam. Über diesen Markt kann man Direktverträge mit lokalen Anlagenbetreibern schließen. Insbesondere für Anlagen, die nicht mehr über EEG gefördert werden, ist das ein gutes Konzept. Seltsamerweise liegen die verfügbaren Anlagen fast alle im Allgäu statt im Oberland.

Energiegenossenschaft Fünfseenland

Ein direkter Landkreis-Nachbar zu uns ist die Energiegenossenschaft Fünfseenland. Diese Genossenschaft bietet Ökostrom, der vom TÜV-Süd zertifiziert wurde, was mit den oben genannten Labels vergleichbar ist. Der Strom stammt laut Anbieter aus Wasserkraftwerken der Region, sie haben sich aber auch an den Windkraftanlagen von Berg beteiligt.

Darüber hinaus bietet Fünfseenland eine Vielzahl an Dienstleistungen an: Energieberatung, Finanzierung von PV über Mieter-, Contracting und Dachmietmodelle, Unterstützung bei Mini-PV-Anlagen, uvm. Alles in allem dürfte dieser Anbieter also alle 6 Kriterien für guten Ökostrom erfüllen.

Andere Stromanbieter in der Region

  • Stadtwerke Weilheim i. OB: zwar finden sich auf der Web-Seite viele Projekte – oft mit dem Stand 2020, aber es findet sich keine ausreichende Informationen zu woher erneuerbaren Energien bezogen werden. Auch wird noch konventioneller Strom als Tarik angeboten. Damit wird bestenfalls 1 von 6 Ökostrom-Kriterien erfüllt.
  • Regionalwerk Würmtal: dieser regionale Anbieter bietet explizit nur “Grünstrom” an. Die letzte Stromkennzeichnung von 2020 weist 39% Strom ohne EEG aus. Hier bleibt unklar, ob diese Strommengen wie oben beschrieben zu Ökostrom umetikettiert wurden oder woher der Strom kommt. Der Ausbau von erneuerbaren Energien scheint in Einzelprojekten ein Fokus zu sein. Damit werden 2 von 6 Ökostrom-Kriterien erfüllt.
  • Montana: der bundesweite Stromanbieter hat seinen Sitz in Grünwald und bietet ebenfalls nur 100 % erneuerbaren Energien an. Bei der Stromkennzeichnung Stand 2020 zeigt sich, dass bis zu 35% des Stroms nur über Stromzertifikate abgedeckt wird. Weiteres Engagement findet sich kaum auf der Web-Seite. Damit werden
    0 von 6 Ökostrom-Kriterien erfüllt.

Was muss passieren, dass der Strom bei uns wirklich “grün” ist?

In der Strommix-Abbildung kann man deutlich sehen, dass auch bei uns noch weit über 50% des Stroms nicht erneuerbar ist. Darum ist es wichtig, dass die Kommunen, die Stadtwerke, die regionalen Stromanbieter und letztendlich wir Bürger die Energiewende voran bringen.

Was können wir tun? Die Wahl eines echten Ökostrom-Tarifs ist dabei nur der kleinste Schritt.

  • Realisiere je nach Möglichkeit Photovoltaik bei Dir. Ob auf Deinem Dach oder am Balkon: jeder so produzierte Strom ist echter Ökostrom und schont mittelfristig auch noch Deinen Geldbeutel.
  • Auch ohne eigene PV – der Anteil an erneuerbaren Energien im Stromnetz wird bei sonnigem Wetter deutlich höher sein. Lasse Deine großen Verbraucher wie Waschmaschine idealerweise dann laufen. Wenn man das genauer wissen will: unter electricityMap kann man sehen, wie der aktuelle Strommix in Deutschland aussieht.
  • Und als letztes bleibt nur: engagiere Dich für die Energiewende! Wir müssen als Gesellschaft PV und auch Windkraft bei uns in der Region ausbauen. Die von Experten empfohlene Maßnahmen müssen endlich umgesetzt werden. Helfe dabei mit, dass die kommunale Politik und die lokalen Stadtwerke dies schneller umsetzen, denn es bleibt nur noch gut ein Jahrzehnt bevor wir die globale +1,5°C Erwärmung überschreiten. Dafür gibt es Vorbilder.

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